Gisela Dreyer · Psychologische Psychotherapeutin

 

Was bedeutet "systemisch"?

Ein System ist ein Ganzes, und ist mehr als die Summe seiner Teile. Dieses Mehr besteht in der Wechselwirkung zwischen den Elementen, dass die Veränderung eines Elementes zwangsläufig zur Veränderung aller anderen Elemente im System führt. Das Wort 'systemisch' (nicht zu verwechseln mit 'systematisch') wurde von den Systemwissenschaften, der Kybernetik und dem Konstruktivismus abgeleitet. Danach kann Wirklichkeit nie losgelöst von ihrem Betrachter gesehen werden und stellt die Frage, auf welche Weise wir aktiv an der Konstruktion unserer Erfahrungswelt Anteil haben.

Die systemische Therapie betrachtet daher den Einzelnen im Beziehungsgefüge seines Umfeldes und sieht Symptome als Ausdruck von spezifischen Beziehungsmustern der verschiedenen Systeme : Paare, Familien, Teams, Gruppen, die eigene Person, der eigene Körper, etc. Individuelles Erleben und Verhalten wird nicht isoliert, sondern in komplexen Strukturen mit spezifischen Wechselwirkungen und Rückkopplungen gesehen und verstanden. Systemische Psychotherapie hat den Anspruch, diese Zusammenhänge und Prozesse, die häufig in komplexen Schleifen verlaufen, zu erkennen und zu verändern.

Daher sind auch kausale Fragen (Warum-Fragen) nach dem Entstehen und den Ursachen von Symptomen selten eindeutig oder erschöpfend zu beantworten. Therapeutische Interventionen zielen darauf ab, Denk- und Verhaltensmuster deutlich werden zu lassen und Alternativen (Muster-Unterbrechungen) zu erarbeiten. Dazu werden zirkuläre Fragen, metaphorische Techniken und eine bestimmte Form der Meta-Kommunikation eingesetzt.

Das Wahrnehmen von Unterschieden im Erleben und Verhalten, vielleicht zunächst nur in Nuancen erlebt, werden oft erst durch gezieltes Nachfragen registriert. Das Registrieren und Beschreiben von Ausnahmen des Problems (d.h. leicht verbesserte Situationen) eröffnet die Chance zu mehr Wahlmöglichkeiten als bisher erlebt wurde.

Wichtig ist es zu überprüfen, ob die Richtung des eingeleiteten Prozesses den Wünschen und Erwartungen des Betroffenen entspricht.

Probleme, Störungen und Symptome können leichter (auf-)gelöst werden, wenn die Vorteile des Ist-Zustandes und die Nachteile der Veränderung deutlich geworden und akzeptiert sind (Sekundärgewinn des Ist-Zustands).

Im Gegensatz zu vielen anderen Therapien können die Sitzungen ausgerichtet am Bedarf, in unregelmäßigen und oft größeren Abständen stattfinden.

 

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